Freie Medien sind ein hohe Gut in allen demokratischen Ländern – doch was passiert, wenn die Medien nurnoch der allgemeinen Verblödung dienen und jegliche journalistische Tiefe im Kampf um Zugriffs- und Klickraten sowie (Werbe-) Einnahmen untergeht? Wann haben den Journalisten das letzte Mal einen richtigen Scoop gelandet und im Stille von Watergate ein eklatantes Delikt aufgedeckt?
Ein wunderbares Beispiel ist der Betrug von Volkswagen bei den Messwerten – aufgedeckt durch eine US Behörde, nicht durch investigativen Journalismus.

Defizit der Medien

Fragt man in Deutschland heute 10 Menschen nach dem Stichwort Fukushima, so werden 9 von diesen als Atomkatastrophe beschreiben. Natürlich gibt und gabe es diese dort. Das diese aber Folge einer massiven Umweltkatastrophe, eines schwersten Erdbeben mit folgendem Tsunami war, der über 18.000 Menschen das leben kostete, ist dagegen aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Die Darstellung in den Medien hat also dazu geführt, dass die Atomkatastrophe die in den direkten Folgen wesentlich schlimmere Umweltkatastrophe komplett überstrahlt hat.
Selbes passierte in der Dieselproblematik, in der ein Betrug durch ein Unternehmen zu einer generellen medialen Hetzjagd auf Dieselmotoren führte.
Der Bürgerkrieg in Syrien wurde nach medial weitestgehend ignoriert, was diesem den Begriff vergessenen Krieg beibrachte. Erst als die einströmenden Flüchtlingsmassen in Deutschland relevant wurden, rückte der Konflikt in das Zentrum.

Wenn Medien polemisieren

Ein zugrunde liegendes Problem war dabei eine oberflächlich reisserische Berichterstattung ohne die nötige technische Tiefe.
Zumindestens die deutsche Presse versagt bei der Darstellung von Sachverhalten regelmäßig und recherchiert nicht mehr umfassend.
Tiefergehende Betrachtungen und multiperspektivische Erklärungen sowie fundierte Hintergrundinformation ist zur absoluten Seltenheit geworden.
Ebenso sind gewagte Thesen die dem Mainstream widersprechen komplett verschwunden – die Medien berichten fortwährend das gleiche.
Oft werden skandalisierende Headlines so zurecht gebogen, dass sie zwar nicht falsch, auf jeden Fall aber bewusst einen falschen Eindruck beim Leser erwecken. Das Rezept dabei ist Empörung: Den Leser mit Emotionen aufladen und ihn so zum Konsumenten zu machen.

Kennzahlen, Clickbait und Presseagenturen

Nicht umsonst heisst dieses Haschen nach Impressionen “Clickbait” – einen Klick per Köder generieren. Die Digitalisierung hat hier zugeschlagen, denn anstatt der Auflage wird nunmehr in einem komplexen Kennzahlensystem gemessen, was die für die Werbeeinnahmen wichtigen Zugriffs- & Verweildaten der Leser ergeben.
Um mehr Content online zu bringen, werden Ticker- & Agenturmeldungen ohne jegliche Prüfung online gestellt. Die Frage, welche Auswirkungen ein durch ständiges Skandalisieren und Alarmieren geprägtes Mediensystem bei den Menschen anrichtet, ist weitestgehend unklar. Alarmierende News triggern urinstinkte des Menschen, schliesslich geht es bei Gefahr doch um das Überleben. Vielleicht ein Grund weshalb so gerne negative Nachrichten über Verbrechen und Unglücke verbreitet werden.

Hat qualitativer Journalismus kein Geschäftsmodell?

Fraglich bleibt, ob der erste Schritt der Digitalisierung der Medien den wirklich einen Mehrwert gebracht hat. Zwar sind Informationen nun dank Internet und Mobile jederzeit in Echtzeit verfügbar. Aber einen tieferen Wissensgewinn hat der Medienkonsument dadurch leider nicht.
Die Frage ist deshalb, ob im Zuge der Digitalisierung sich die Medien nicht von ihrem Geschäftsmodell Werbefinanzierung trennen müssen, um aus der abhängigkeit von Medien Massenproduktion auszusteigen. Scheinbar bietet der aktuelle Medienbetrieb den journalisten keine Möglichkeit oder keinen Anreiz umfassend und tiefgreifend zu Berichten.
Um das Beispiel Dieselkrise aufzunehmen:
Kaum ein Medium hat sich tiefgreifend mit der technischen Funktionsweise sowie der Sinnhaftigkeit der entsprechenden Grenzwerte beschäftigt. Informationen zur tatsächlichen Sachlage waren nicht zu bekommen, auch wurde der Diesel nicht mit dem Benziner verglichen und die Problematik des Abgase aus Partikeln, CO2 und Stickoxiden aufgegriffen.
Von etwaigen Lösungsoptionen und dem daraus folgenden Verhalten für den Autobesitzer garnicht zu sprechen.
Selbes galt in der Flüchtlingskrise: Es gab keine umfangreiche Reportage, die gezeigt hat wie die rechtliche Lage ist, wie die Handlungsalternativen aussehen oder wie mit solchen Krisen generell verfahren werden soll. Diese Diskussion fand in den Medien nicht statt.

Auf Basis dieser unzureichenden Informationen ist es für den Bürger natürlich schwer, sich fundierte Meinungen zu bilden. Natürlich ist eine umfangreiche Darstellung der Lage arbeitsaufwendig und eine hohe Anforderung an den Journalismus. Doch diesem Anspruch muss er sich stellen in einer Welt die an Komplexität zunimmt.

Kategorien: Digital

1 Kommentar

Richard Ganser · 1. März 2018 um 20:42

Ein sehr guter Artikel, du sprichst mir aus der Seele.

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