Trugschlüsse- wie oft sitzen wir ihnen auf, und realisieren erst spät – oder auch nie – dass wir falsch gelegen haben.

Auch die anderen wollen Gewinnen

Erstaunlich viele dieser kognitiven Fehler habe ich in meiner Teamsportkarriere (Eishockey und Fußball) erlebt. Trainer die noch mehr Einsatz verlangen, die meinen das Team muss mehr kämpfen oder ist nicht motiviert genug.
Ich will nicht bestreiten, dass es diese Situation nicht gegeben hat, aber weit weniger oft als man gemeinhin denkt. Tatsächlich ist es jedoch so: Kaum ein Team spielt absichtlich schlecht, ich kenne keinen der gerne verliert, und wenn ich auf den Platz oder das Eis gehe, dann will ich gewinnen.
Es erinnert mich oft an die Szene von Harry Potter, als der geschasste Minister Fudge dem Premierminister die Lage erklärt, und diesem auf die Aussage „Aber ihr könnt doch zaubern!“ lapidar entgegnet: „Das Problem ist die andere Seite leider auch“.
Niemand verliert gerne – und das schließt leider auch die Gegenseite ein. Ein „ihr müsst es mehr wollen“ hilft dir leider nicht weiter, denn die anderen wollen auch, kämpfen auch, sind auch motiviert. Dies kann man 1zu1 ins Geschäftsleben übertragen. In Verhandlungen wollen die verschiedenen Parteien für sich den größtmöglichen Vorteil herausholen, Wettbewerber Marktanteile gewinnen, Konkurrenten vom Markt drängen. Ebenso scheitert niemand gerne.

Wir wollen alle Geld verdienen deshalb denk ich im Endeffekt wieso versuch ichs nicht wie der Rest mal mit Gangster Rap – Samy Deluxe

Erstaunlich viele Trugschlüsse finden sich auch im Bezug auf Startups und Unternehmertum.
Man bedenke nur die Aussagekraft von Sätzen wie „Das gibt es doch schon“ oder „was für eine dumme Idee“. Dabei sind die erfolgreichsten Unternehmen der digitalen Welt seltenste die ersten ihrer Art gewesen, man denke nur an die Suche im Internet vor Google. Mit Grauen erinnert man sich an die schlecht funktionierenden Suchen von Altavista, Web.de, AOL oder Yahoo – dagegen hatte Google mit seiner Index- und PageRank basierten Suche einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil.
Gleiches gilt für Facebook, dass bei weitem nicht das erste Social Network war. Aber stayfriends und wer-kennt-wenn hatten weder die Funktionen noch die kritische Masse, die Facebook zu dem machte, was es heute ist.

Dumme Idee!?

Ideen als Dumm zu bezeichnen, ist ein weit verbreiteter Trugschluss. Denn mal ehrlich: Am Ende kann niemand beurteilen ob etwas Sinn macht, ob damit Geld zu verdienen ist, und wie der Markt darauf reagiert. Denn nur eines ist härter als Mike Tysons rechter Haken: Der Markt.
Zu Ideen gibt es verschiedenste Einstellungen, aber dies führt in diesem Artikel zu weit. Wer folgende Ideen nicht für „dumm“ oder wenigstens „total unrealistisch“ hält, sollte seinen Geisteszustand in Frage stellen oder hat einen wichtigen Trugschluss im Leben gefixt.
1. Ein Internetunternehmer, der einen Bachelor in VWL und Physik hat aber keinerlei Erfahrung im Maschinenbau oder Luftfahrt, gründet ein Unternehmen, das bemannte Raumfahrt auf den Mars ermöglichen will. Etwas woran die NASA bisher gescheitert ist oder nur rudimentär gedacht hat.
SpaceX baut heute erfolgreich wiederverwendbare Raketen und arbeitet an einer Marsmission.
2. Eine Alleinerziehende Mutter die von der Sozialhilfe lebt, hat die Idee eine Romanreihe um eine Schule für Zauberer zu schreiben. Und wer kennt heute nicht Harry Potter?
3. Ein paar Jungs frisch von der Universität wollen ein Unternehmen gründen. Weil sie nicht wissen welches Unternehmen es sein soll, erstellen sie Trainingspläne aus alten Eigengewichtsübungen wie Liegestütze und Kniebeuge. Sie bauen daraus eine App und nennen sie Freeletics.

Man sieht also, dass Ideen die zuerst sehr „dumm“ klingen, extrem erfolgreich sein können.
Dies führt zum nächsten Trugschluss: Man braucht eine gute Idee, um als Unternehmer erfolgreich zu sein. Dabei ist es nie die Idee, die die Unternehmen erfolgreich macht. Es ist die daraus resultierende Handlung, den am Ende ist eine Idee nur ein Gedanke. Und die sind Gott sei Dank frei.

Es gibt zahlreiche weitere Trugschlüsse und Gedankenfallen, die uns täglich auflauern. Ich erinnere mich, wenn ich als Kind mit meiner Mutter am Strand beim beobachten der Surfer war. „Schau, der ist hingefallen“ in Verbindung mit einem Lachen, das auch etwas Schadenfreude ausdrückt (no offense Mum, du bist die Beste, mit Abstand!). Dabei geht es in allen Surfsportarten v.a. um das Fallen, denn es gehört zum Sport und es zeigt, dass man an der Grenze ist. Nur dort kann Weiterentwicklung stattfinden. Ein gutes Beispiel sind Trainingsvideos des damaligen Kitesurf Profis Julian Hosp, der im Training oft stürzt, weil er neue, extreme Sprünge an seiner Grenze ausprobiert.
Ein weiterer Trugschluss ist für mich das unkritische adaptieren gesellschaftlicher Normen. Nur weil etwas sozial akzeptiert ist, muss es nicht für mich richtig sein. So stellen sich erstaunlich wenige Menschen die Kernfragen des Lebens (Wo will ich leben, mit wem will ich leben und womit will ich meine Zeit verbringen und mich finanzieren?) sondern fallen aus sozial- gesellschaftliche Normen zurück. Oder glaubt wirklich jemand, von den ca. 20 Millionen deutschen Büroangestellten geht die Mehrheit erfüllt in ihren Job?

Umgang mit kognitiven Fallen

Es gibt also zahlreiche Gedankenfallen und Trugschlüsse, die Menschen und ihre Gedanken begrenzen. Wie gehe ich nun damit um?
Für mich habe ich die Lösung eines reality checks gefunden: Reflektion meines Selbst. Die Frage ob ich es hart genug versucht habe, kann ich nur für mich selbst beantworten. Bin ich an meine Grenzen gegangen? Und darüber hinaus? Was habe ich getan, um mein Ziel zu erreichen? Gerne spiegele ich je nach Thema mit einer vertrauten Person.
Wichtig ist nun weiter zu denken, und diese Fragen regelmäßig zu stellen, nicht nur wenn etwas nicht läuft. Denn meistens liegt es nicht am Einsatz, und nur wenn man die wahren Gründe kennt, die Einfluss auf den Erfolg haben, kann man sich verbessern.
Alleine sich über die Existenz dieser Fallen bewusst zu sein hilft bereits sich aus Gedankengefängnissen zu befreien.
Wie geht es euch mit Trugschlüssen? Welche Trugschlüsse habt ihr und welche Methoden nutzt ihr, um euren Horizont zu erweitern? Ich freue mich über euren Input, auch was den Artikel angeht.
Lasst mir doch einen Kommentar da.

Beste Grüße,
Euer Digitalsash

Kategorien: Allgemein

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